Revue de presse pour CARBÓN par Tagblatt

Davide Tisato aus Heiden gewinnt an den Internationalen Kurzfilmtagen einen Award: «Das Filmen ist eine Gratwanderung zwischen Offensichtlichem und Unverständlichem» 

Davide Tisato hat eine lebenslange Freundschaft zwischen zwei Bergwerksarbeitern in Kuba in einem Film festgehalten. Für diesen wurde der Heidler nun in Winterthur ausgezeichnet.

Davide Tisato aus Heiden gewann vergangenes Wochenende an den Internationalen Kurzfilmtagen in Winterthur den Award für den besten Schweizer Film. Zweieinhalb Jahre hatten die Arbeiten an seinem Dokumentarfilm «Carbón» gedauert.

«Für mich ist das Filmen wie eine Sprache – anders als akademische Texte –, in der ich Inhalte vermitteln kann», erklärt Tisato, der in Marseille, Heiden und Montegiovi wohnt. In seinen Projekten versucht er stets, das richtige Mass zwischen dem Offensichtlichen und dem Unverständlichen zu finden und dabei der freien Interpretation viel Raum zu lassen.

Lebenslange Freundschaft porträtiert

Die französisch-schweizerische Koproduktion «Carbón» oder zu Deutsch «Kohle» spielt in einer Waldlichtung. Während 26 Minuten porträtiert Davide Tisato die lebenslange Freundschaft zwischen den Kubanern Ismael und Nivardo. Kennen gelernt hat der Heidler die beiden auf einer Fahrradtour während seines Filmstudiums auf Kuba. «Ich wollte die Geschichte nicht so sensationell wie möglich darstellen. Viel wichtiger war mir das Einverständnis der beiden, und dass sie sich vor der Kamera wohlfühlten», sagt der Filmemacher über die beiden Köhler, die noch mit über 70 Jahren Holzkohle für ein staatliches Unternehmen herstellen. Da der offizielle Lohn jedoch nicht ausreicht, sind sie gezwungen, mehr Kohle zu produzieren und diese auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. «Ich wollte in diesem Film eine Geschichte erzählen, die über die generelle Situation in Kuba hinausgeht und mit der man sich anhand der zwischenmenschlichen Beziehung, aber auch der Beziehung zur Arbeit und zu einem Ort identifizieren kann», verrät der Soziologe, der sich intensiv mit Fragen der sozialen Ungleichheit beschäftigt.

Zurzeit ist Davide Tisato am «DocLisboa», einem Filmfestival in Lissabon, wo «Carbón» ebenfalls gezeigt wird. Was danach kommt, ist noch unklar. «Für mich persönlich wäre es sehr schön, wenn man sich den Film im Kino Heiden ansehen könnte, dem Ort, wo ich begonnen habe, mich für Filme zu interessieren. Leider sind Kurzfilme ein Format, das eher selten in Kinos gezeigt wird», sagt der Soziologe, der als Achtzehnjähriger im Kino Heiden als Operateur tätig war.

Kurzfilmtage wurden in anderer Form durchgeführt

Zum 24. Mal fanden vom 4. bis 8. November die Internationalen Kurzfilmtage in Winterthur statt. Coronabedingt musste auf die Veranstaltung vor Ort verzichtet und die Filme konnten nicht wie gewohnt im Kinosaal gezeigt werden. Doch trotz Absage der lokalen Screenings konnten die Kurzfilmtage Winterthur – in einer etwas anderen Form – mit den vorgesehenen Programmpunkten im digitalen Raum durchgeführt werden.

An der finalen virtuellen Preisverleihung wurden neun Werke mit Geld- und Sachpreisen im Wert von 79’000 Franken ausgezeichnet. Zu den glücklichen Gewinnern gehörte auch Davide Tisato. Mit seinem Dokumentarfilm «Carbón» setzte er sich gegen 19 weitere nominierte Kurzfilme durch. Der Heidler Filmemacher und Soziologe gewann den mit 10’000 Franken dotierten Award für den besten Schweizer Film, der von Suissimage und der SSA gestiftet wurde. 

Tisato zeigte sich erfreut über den Erfolg seines Erstlingswerks: 

«Den Film schon nur zeigen zu können, ist für mich eine riesige Anerkennung, zumal es mein erster Film nach dem Studium ist und damit auch ein Herzblutprojekt, mit dem es viel auf und ab ging.»

Zuerst sei das Projekt blockiert worden, erzählt der Filmemacher, der anfangs mehr auf die aktuellen politischen Widersprüche von Kuba eingehen wollte, was die Regierung jedoch determiniert verunmöglichte. 

Weitere Projekte sind in Planung

Das Preisgeld kann er jedenfalls gut gebrauchen. Es wird die finanzielle Basis für weitere Filmprojekte sein, von denen schon mehrere geplant sind. Der Filmemacher plant zusammen mit der Produktionsfirma «Ecran-Mobile», die mehrere gleichgesinnte junge Filmemacher vereint, einen weiteren Dokumentarfilm zu drehen, der «Carbón» von der Filmsprache her ähnelt, jedoch nicht mehr im Dunkeln, sondern im Kontrast dazu in einer sehr hellen Gegend spielt. Der geeignete Platz dafür wären die Marmorsteinbrüche in Carrara, Italien. Bereits in Arbeit ist ein multidisziplinäres Projekt, welches Sozialwissenschaften, Kartografie, Film und Psychologie vereint. Es geht dabei um das Thema «Migration auf dem Mittelmeer». Dazu wurde bereits in Marokko und Spanien gefilmt. Wegen des Coronavirus ist das Projekt jedoch bis nächsten Frühling eingefroren. Über die Möglichkeit, die erwähnten Orte zu bereisen, und die Erreichbarkeit der dort lebenden Menschen werden wohl die Covid-Massnahmen bestimmen. An Ideen fehlt es dem Heidler Filmemacher jedenfalls nicht.

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